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Wie führe ich ein Interview?Allgemeines
| Viele Fragen - keine Antworten, lange Fragen - kurze Antworten, kluge Fragen - dumme Antworten. Manche Gesprächspartner haben richtiggehend Spaß daran, ihr Gegenüber auflaufen zu lassen. Andere wiederum reden ohne Punkt und Komma, so dass der Fragesteller kaum zum Zuge kommt. Mit anderen Worten: Ein gutes Interview zu führen ist gar nicht so einfach. Ein bisschen Theorie in Sachen Interviewtechnik kann also nicht schaden. |
Schritte / Maßnahmen
| 1. | |
Nachhaken statt abhaken
Das Interview ist vor allem ein wichtiges Recherchemittel. Wenn ein Journalist Informationen zu einem bestimmten Thema braucht, befragt er eine oder mehrere kompetente Personen, redet mit Experten oder Augenzeugen und vervollständigt damit seine Materialsammlung. Das gedruckte oder auch gesendete Interview hingegen ist eine beliebte journalistische Stil- und Darstellungsform, die in allem Medien und Ressorts eingesetzt wird.
Hier unterscheidet man vier verschieden Arten:
Das Interview zur Sache ...
... hat nur ein Interesse - einen bestimmten Sachverhalt zu erfragen. Hierbei geht es um konkrete Hintergrundinfos zu einem konkreten Thema.
Ein Beispiel: Ihr wollt vom Chef wissen, ob es stimmt, dass Frau XY versetzt wird. Was wird ihr vorgeworfen? Wer hat die Versetzung beantragt? Wann wird Frau XY die Firma verlassen? Wohin wird sie gehen?
Beim Meinungsinterview ...
... wird abgefragt, wie der Gesprächspartner zu einem bestimmten Sachverhalt steht. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ihr den Chef fragt, was er von der Versetzung von Frau XY hält? Findet er die Entscheidung angemessen? Wäre es ihm lieber, wenn Frau XY bliebe?
Beim Interview zur Person ...
... steht der Befragte selbst im Mittelpunkt des Interesses. Ziel des Gesprächs ist es, einen bestimmten Menschen vorzustellen, seine Persönlichkeit und seinen Charakter über die Antworten zu skizzieren.
Die Umfrage ...
... ist eine beliebte Darstellungsform, um mehrere Personen mit knappen Statements zu einem Thema zu Wort kommen zu lassen. |
| 2. | | Ein Interview, das in einer Zeitschrift oder Zeitung abgedruckt wird, entspricht nie dem ursprünglich geführten Gespräch. Es weicht in der Regel extrem von den Tonbandaufzeichnungen oder Notizen ab. Der Grund: Der Journalist darf den Textradikal kürzen, Wiederholungen streichen, die Reihenfolge der Fragen ändern, die Aussagen des Befragten inhaltlich zuspitzen und sogar seine eigenen Fragen flotter formulieren - vorausgesetzt der Interviewte ist damit einverstanden.
Zum verabredeten Interviewtermin gehört nämlich automatisch auch das Recht des Befragten, die redigierte Fassung des Interviews zu sehen und Änderungen vorzunehmen. Nun kann es sein, dass der Befragte sich freut, sich nun viel pfiffiger und intelligenter ausgedrückt zu haben. Wahrscheinlich aber ist, dass er einzelne Aussagen abmildert oder ganz streicht. Jetzt ist Verhandlungsgeschick gefragt. Vielleicht lässt sich der Interviewte ja doch noch dazu überreden, das eine oder andere Statement so stehen zu lassen. Wenn nicht, muss die Redaktion entscheiden, ob es überhaupt noch Sinn macht, das Gespräch zu drucken - frei nach dem Motto: Gar kein Interview ist immer noch besser als ein schlechtes Interview.
So, jetzt müsst ihr die graue Theorie nur noch in die Tat umsetzten. Dazu ein paar praktische Tipps:
* Den richtigen Interviewpartner finden und sich nicht mit den Aussagen weniger kompetenter Personen begnügen.
* So gut wie möglich vorbereiten. Schließlich muss der Interviewpartner euch ernst nehmen können.
* Dem Gesprächspartner zu Beginn des Interviewes eine Aufwärmphase gönnen. Sofern ihr Zeit genug habt, kommt nicht gleich zur Sache, sondern plaudert zunächst über Nebensächlichkeiten.
* Neugierig und aufmerksam bleiben, auch wenn ihr schon viel über das Thema oder die betreffende Person wisst.
* Das Gespräch steuern. Deshalb müsst ihr nicht aufdringlich sein oder eine Art von Verhör veranstalten.
* Unterbrecht euer Gegenüber, wenn er vom Hundertsten ins Tausendste kommt und sich ständig wiederholt.
* Die Fragen nicht ablesen. Wenn ihr so frei wie möglich sprecht, wirkt sich das positiv auf die Gesprächsatmosphäre aus.
* Kurze und präzise Fragen stellen. Nur so hat euer Gegenüber die Chance, entsprechend zu antworten.
* Vorsicht bei geschlossenen Fragen, auf die euer Gegenüber eigentlich nur mit ja oder nein antworten kann.
* Nur Fragen stellen, von denen ihr annehmt, dass euer Gegenüber sie auch beantworten kann.
* Nicht mehrere Fragen auf einmal stellen. Das verwirrt nur. Außerdem gebt ihr eurem Gegenüber so die Chance, sich die angenehmste Frage herauszupicken.
* Gespräche unter vier Augen sind meist offener und damit auch ergiebiger als solche in großer Runde. Mit anderen Worten: Führt das Interview allein, maximal zu zweit.
* Ein Interview ist keine Diskussion. Eure Meinung ist nicht gefragt. Also weg mit Sätzen wie: "Da bin ich ganz anderer Meinung, Herr Direktor..."
* Trotzdem rhetorisch die Gegenposition beziehen. Einverständnis macht das Gespräch langweilig. |
Tipps und Hinweise
| | In der Praxis kann es natürlich immer wieder passieren, dass sich die verschiedenen Interviewformen vermischen. Trotzdem ist es wichtig, sich vor dem Interviewtermin genau zu überlegen, welche Form und welchen Zweck das Gespräch haben soll. Entsprechend kann man sich vorbereiten. Neben der Beschäftigung mit dem Thema und angrenzenden Sachgebieten sollte der Fragesteller möglichst viel über sein Gegenüber in Erfahrung bringen. Je besser er über die Person und die Sache Bescheid weiß, umso größer sind seine Chancen ein gutes Gesprächsklima zu schaffen und dem Interviewpartner möglichst viele Infos zu entlocken! |
| | Das Ziel des Interview nicht aus den Augen verlieren! Worauf will ich hinaus? Was will ich erfahren? Ist das geklärt, kann man sich über den Aufbau des Interviews Gedanken machen und einen kleinen Fragenkatalog vorformulieren, am besten nach verschiedenen Themen untergliedert. So verhindert man, den Faden zu verlieren oder einen wichtigen Themenbereich zu vergessen. |
| | Jedes Interview ist anders. Das heißt, als Journalist muss man sich immer wieder auf andere Charaktere, neue Situationen und Themen einstellen. Dabei ist es Aufgabe des Journalisten, die nötige Atmosphäre für ein offenes Gespräch zu schaffen. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Das wichtigste aber ist, dass der Interviewer sich die Gesprächsführung nicht aus der Hand nehmen lässt. Er bestimmt, wann welches Thema zu Sprache kommt. |
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Hinweis: Der Gebrauch, der hier aufgeführten Informationen erfolgt auf eigene Verantwortung!
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